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"Die Gemeinschaftsschule hält nicht, was sie verspricht"

Vortragsveranstaltung der "Bürger für Bildung"

 

 

 

Die Bürgerinitiative "Bürger für Bildung" hatte unter dem Titel "Die Gemeinschaftsschule hält nicht, was sie verspricht" für den 16. November ins Tuttlinger Hotel "Stadt Tuttlingen" eingeladen. Referenten waren Ewald Wetekamp und Karl-Jürgen Müller vom "Arbeitskreis Schule und Bildung in Baden-Württemberg".

 

Die Gemeinschaftsschule, so die Referenten, werde als "sozial gerecht", "leistungsstark" und "demokratisch" gepriesen, sei aber tatsächlich nichts von dem. Schwächere Schüler würden benachteiligt, man müsse für alle Gemeinschaftsschüler weniger Bildung befürchten, und die Gefahr sei groß, dass die Gemeinschaftsschule nichts dazu beitrage, dass junge Menschen demokratietauglich würden. Von "länger geimeinsam lernen" könne schon gar nicht die Rede sein, die Gemeinschaftsschule sei eher eine "Vereinzelungsschule".

 

Zu Beginn hoben die beiden Referenten die Leistungen des gegliederten Schulsystems hervor. Jede der bisherigen Schularten habe auch weiterhin ihren Sinn. Keine Schulart in Baden-Württemberg sei eine Sackgasse. Das Prinzip "Kein Abschluss ohne Anschluss" sei in Baden-Württemberg gut verwirklicht.


Die Einführung der Gemeinschaftsschule stelle auch alle Vollzeitschulen der Berufsschulen in Frage. Das sei ein Skandal, wenn man bedenkt, wie viele junge Menschen heute über die Vollzeitschulen der Berufsschulen einen höheren Bildungsabschluss erreichen.


Bislang würden in den allgemeinbildenden Schulen Schüler mit ähnlichem Wissensstand und ähnlicher Leistungsfähigkeit in einer Klasse mit einem gemeinsamen Klassenziel unterrichtet. Dieser Grundsatz soll unter dem platten Motto "Vielfalt macht schlauer" über Bord geworfen werden. Das "pädagogische Konzept" der Gemeinschaftsschulen sieht eine radikale Individualisierung des Lernens vor. Und weil nicht für jeden einzelnen Schüler ständig ein Lehrer da sein kann, spricht das Schulgesetz nun vom "selbstgesteuerten" Lernen. Die Schüler sollen nicht mehr gemeinsam im Klassenverband und unter Anleitung eines Lehrers lernen, sondern vor allem jeder für sich mit Arbeitsblättern und Computer. Die Schüler der Gemeinschaftsschule haben keinen gemeinsamen Stundenplan mehr, jeder lernt nach einem eigenen Plan, sehr auf sich selbst gestellt.


Die beiden Referenten stellten die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema vor, insbesondere die 2009 veröffentlichte Studie des australischen Erziehungswissenschaftlers John Hattie ("Visible Learning"). Die Studie hat die Ergebnisse von mehr als 50000 Einzelstudien ausgewertet und kam zu folgendem Ergebnis: Auf den Lehrer kommt es an. Schüler, insbesondere schwächere Schüler, brauchen zum Lernen feste Strukturen, einen Lehrer, der den Unterricht führt, der das Lernen kontinuierlich anleitet und alle Schüler im Auge hat. Am besten geht das in einer Klassengemeinschaft.


Das aber ist das Gegenteil von dem, was Gemeinschaftschulen sollen. In der Gemeinschaftsschule soll der Lehrer nur noch "Lernbegleiter" sein. Er soll sich bis auf wenige kurzzeitige "Inputs" aus dem Lerngeschehen herauszuhalten. Das Abschlussziel des Lernens bleibt 4 oder 5 Jahre offen. Erst beim Eingang in das letzte Schuljahr dürfen sich die Schüler entscheiden, welchen Abschluss sie machen wollen.


Nimmt man hinzu, dass der Schweizer Privatschulverkäufer Peter Fratton der Vater der baden-württembergischen Gemeinschaftsschule ist, so müsse man alarmiert sein. Fratton hat vier pädagogische Ur-Bitten an seine "Lernbegleiter" formuliert: "Bringe mir nichts bei! Erkläre mir nicht! Erziehe mich nicht! Motiviere mich nicht!" An einer Schweizer Fratton-Schule hat dieses Prinzip im vergangenen Schuljahr dazu geführt, dass vierzig Prozent einer Abiturklasse durch die Prüfung gefallen sind.

 

Die Zuhörer in Tuttlingen waren empört. Die Initiative „Bürger für Bildung“ hat vor ein paar Wochen zusammengefunden. Sprecher ist der Tuttlinger Max Kaufmann.